USA tour so far: 07.-10.3.

vorweg: ich mag mich nicht, wenn ich voreilig über ungelegte eier gacker.als meine liebe label-anna mir vor einigen monaten eine email weiterleitete, in der die bookerin einer rapperin aus north carolina ein feature auf einem single-mashup anfrug, steckte ich gerade in einem kreativloch fest. einerseits freute ich mich natürlich über dieses erste overseas- feature, andererseits war ich sehr damit beshäftigt, an dem ausbleiben des näxten technishen entwicklungsshritt rumzunörgeln, sodass ich nachträglich leider feststellen muss, dass ich parts shon sehr viel leidenshaftlicher geshrieben hatte. shirlette ammons, die mich auf das feature eingeladen hatte, mochte den part, wir hatten eine übersetzung mitgeshickt. meredith, shirlettes bookerin und meine liebe anna, blieben weiterhin im kontakt und beshlossen, dass es fein wäre, wenn wir miteinander touren könnten, und bastelten im verlauf einiger wochen an einem tourplan, an den ich lange zeit nicht so recht glaubte. irgendwann fand ich auf meinem fb-pinboard eine nachricht, in der shirlette ankündigte, dass wir gemeinsam auf frühlingstour gehen würden. damit war es tatsächlich offiziell, flüge wurden gebucht, nobigbutL wurde ins boot geholt, sonja, packte ihre kamera ein um zu dokumentieren und drei flugzeuge brachten uns über düsseldorf und toronto nach durham, north carolina. sonja hatte mich im vorfeld mit der kamera zu meinen erwartungen interviewt. obwohl das grade mal vier tage her ist, kann ich kaum noch sagen, was ich wohl geantwortet hab. sicherlich ähnlich oberflächliches zeug, wie ich es von den leuten in den südstaaten erwartet hab - und eines besseren belehrt wurde. shame on you sook. die zentrale erfahrung der letzten vier tage lautet halbausgewertet: die amis sind nicht fake-friendly. wir kartoffeln können nur nicht damit umgehen, wenn menshen nicht latent grumpy, kauzig und tendenziell geizig durch die gegend meckern. wir haben vier nächte in vier vershiedenen häusern in drei vershiedenen städten verbracht. überall wurden wir ausgesprochen offen, interessiert, warmherzig, großzügig empfangen. sicherlich hört man die ausdrücke 'so nice to meet', 'that's just beautiful', 'that was fucking awesome', 'thank you so much' ausgesprochen häufig und klar, viele gespräche beginnen im smalltalk, aber was genau war nochmal gegen freundlichkeit einzuwenden? in der ersten nacht spielten wir in einer bar namens pinhook in durham, north carolina auf shirlettes record release party. ich war sehr nervös, völlig ohne vorstellung, wie die menshen ein 45minütiges set auf deutsh aufnehmen würden. ich war mit meinem english wahrlich noch nicht eingegroovt. meine zwishenansagen waren dementsprechend holprig und ich entshuldigte mich im vorfeld für alles mögliche. entgegen meiner erwartung waren die reaktionen ausgesprochen positiv. die leute konzentrierten sich auf die flows, gingen bei spannungsbögen unheimlich gut mit, gaben im verlauf der songs response und meine mimiklastigkeit auf der stage shien dem emotionalen verständnis zuträglich zu sein. als ich von der bühne kam, wurde ich mit gratulationen übergossen. mein gesicht tat mir am näxten tag von der vielen grinserei ordentlich weh. das highlight war der gemeinsame song mit shirlette, den wir nur einmal flink während des soundchecks mit ihrer band angetestet hatten. die connection war sofort da. shirlette ist eine lebenserfahrene, entspannte, kluge frau mit einem verführerishen humor. eine sehr gute rapperin, eine echte musikerin, eine poetin. ich ziehe pausenlos innere hüte. ich neige manchmal dazu mich vor solchen leuten klein zu machen, aber sie sendet mir respekt, wertshätzung und zuneigung. ich gehe aufrecht. nobigbutL und sonja dabei zu haben ist ohnehin shön und wertvoll, zudem retten sie mich vor einer albernen selbstwahrnehmung.

der zweite abend führte uns nach charleston, south carolina. wir waren mit einem van unterwegs. j-waves, shirlettes backup mc und dj begleitete uns. ich wüsste grad nicht, wie ein mann angenehmer in diese runde hätte passen können: sprüche klopfen, wildes zeug quatshen, entertaining sein ohne ende und trotzdem keine mackerige platzhirsherei abstarten, sondern auf menshen eingehen, an den richtigen stellen einen shritt zurück machen. eine rarität. der gig fand in einer strandbarartigen venue statt, in der das charleston girls rock camp eine soliparty veranstaltete. der queerfeministishe kontext war deutlich spürbar. shon erstaunlich wie ideenwelten und kämpfe sich über so viele kilometer hinweg sehr ähneln können. auch hier: eine unfassbar herzliche atmosphäre, alle menshen sehr supportive und nicht zögerlich mit rückmeldungen, viel bewegung, reingehen, tanzen, johlen, klatshen, pfeifen, genießen, nach außen tragen, was sich innen gut anfühlt. das einzig gruselige an diesem abend war, dass viele menshen von der party, die bereits um 2:30 wegen der sperrstunde vorbei war, trotz sichtbarer trunkenheit auto fuhren. man erklärte uns, dass sie die wege in- und auswändigen kennen und dass es deswegen in ordnung sei. wir übernachteten bei einer frau, auf deren sonnenterasse wir den näxten morgen genossen und der wir ein ständchen zum geburtstag sangen.

nobigbutL, sonja und ich vergewisserten uns immer wieder gegenseitig, wie shön es sei, weit weg von zu hause zu sein, von den belastenden alltagssorgen, einengenden diskussionen, den kulturlosen abläufen. als wir in einem waffle-house diner am highway am frühen nachmittag das frühstück nachholten, kamen mir die tränchen, weil ich so sehr mochte, was mir hier von anna und meredith ermöglicht wurde. ich bemühte mich so sehr sie nicht purzeln zu lassen, um die anderen nicht zu besorgen, dass ich mich an meinem orangensaft vershluckte. viele entspannte autostunden später kamen wir in atlanta, georgia an. an diesem abend sollten wir im anshluss an eine drag-performance in einer bar spielen. es zeichnete sich ab, dass kaum menshen aufkreuzten. die queens erklärten, dass die veranstaltung nicht sehr gut und zu kurzfristig beworben worden sei und alle vom wochenende ausgepowert seien. letztlich skippten wir den gig, da fast alle anwesenden in die performances eingebunden waren. stattdessen wurden wir zu den anderen performerinnen* nach hause eingeladen. ca 15 menshen tummelten sich hier, ich brauchte eine weile um warm zu werden. in der bar hatte ich einer person, die enttäusht war, dass wir nicht auftraten, versprochen ein bisschen auf der houseparty zu jammen. spontan wurde ein drag-cabaret initiiert, und liebe verbreitete sich spürbar. niemals zuvor wurde 'D.R.A.G.' so gut verstanden, wie in diesem raum. wieder: zuspruch, applaus, hugs, kommentare, die als oberflächlich missverstanden werden könnten, aber bei genauem hinsehen, tatsächlich sehr bedeutungsvoll waren. "i am so happy that you shared this with us." genauso gemeint. ich weiß nicht, wann queerness mich das letzte mal so spürbar umgeben und umarmt hat. wieder: anstandslos shlafplätze offeriert, frühstück gemacht, fb-kontakte ausgestausht, alles gute und eine gute reise gewünsht. it was awesome, i loved it, i really did! wörtern vertrauen, wenn menshen sie wählen.